Irgendetwas war bei unseren Gesprächen anders.
Vor einiger Zeit habe ich Resi zufällig getroffen. In der Volksschule waren wir beste Freundinnen. Jetzt treffen wir uns regelmäßig zum Mittagessen.
Wir haben sofort wieder angedockt. Doch eines war anders als bei Treffen mit anderen Leuten. Ich brauchte eine Weile, bis ich wusste, was es war.
Resi hört einfach verdammt gut zu.
In meinem letzten Newsletter ging es um Fragen, die wir zu selten stellen. Heute geht es darum, nichts zu sagen, und zuzuhören. Die beste Frage bringt nämlich nichts, wenn du danach nicht wirklich zuhörst.
Zuhören ist die höchste Kunst der Kommunikation.
Nicht das Reden.
Wenn uns jemand zuhört, fühlen wir uns gesehen. Wir werden ernst genommen, jemand schenkt uns seine Aufmerksamkeit. Wir entspannen und dadurch erzählen wir mehr, als wir vielleicht vorhatten. Wir öffnen uns. Wir bauen Vertrauen auf.
Darum fällt uns Zuhören so schwer.
Formulierst du auch bereits eine Antwort, während der andere noch redet? Hast du einen Tipp auf der Zunge, ohne zu wissen, ob den dein Gegenüber überhaupt will? Oder bist du überhaupt schon am Display von deinem Handy?
Die Ablenkung ist groß und präsent. Im Kopf, im Terminkalender, am Handy.
Doch wenn du aktiv zuhören willst, wie es Resi bei unseren Mittagessen tut, dann probier folgendes aus:
1. Stell um auf Mono-tasking.
Sei da, wo du bist. Leg das Handy weg. Nein, umgedreht auf dem Tisch liegen lassen zählt nicht.
2. Sei interessiert.
Schiebe ankommende Gedanken zur Seite und hebe sie für später auf. Sag dir: Ich bin hier und jetzt, und mich interessiert, was du mir sagst.
3. Halte die Stille aus.
Zuhören heißt, nicht reden, auch wenn der andere nicht mehr spricht. Nichts sagen ist schwer. Glaub mir, ich weiß das.
Wenn dich der Blick des anderen trifft, erst dann bist du dran. Nicht früher. Du wirst erstaunt sein, wie oft du dachtest, die Person hat doch schon alles gesagt.
Körpersprachlich erkennt man aktives Zuhören übrigens sofort: durch Blickkontakt und Mimik, die kleinen Signale dazwischen, ein Nicken, ein Mhm, ein „verstehe“. Und besonders wichtig ist dein zugewandter Körper. Wende nicht nur deinen Kopf zu dem, der spricht, sondern richte dich mit dem ganzen Körper aus. Dein Bauchnabel sollte zu deinem Gegenüber zeigen, nicht zur Tür. Du wirst sehen, was das für einen Unterschied macht.
Seit den Treffen mit Resi übe ich das Zuhören immer öfter. Im Training, wenn mir eine Frage gestellt wird. Bei einer Moderation, wenn ich an eine Antwort anknüpfen will. Und im Erstgespräch mit einer neuen Kundin.
JD_Jetzt Du:
Nimm dir ein nächstes Gespräch vor, bei dem du aktiv zuhörst. Leg das Handy weg. Wende dich der Person zu und sei da.
Ich bin gespannt, wie es dir gelingt. Schreib mir, ich bin neugierig.
Bis bald, Johanna ✨
PS: Resi ist übrigens Richterin. Vermutlich ist es ihr jahrelanges Training, das mir so gut tut. 😊



