Einladung zum "Feedbackgespräch". Bekommen hab ich Kritik.
In meinem Kopf lief ein Film ab. Was war los in letzter Zeit? Worum könnte es gehen? Was will er mir sagen?
Vielleicht ist es ja auch was Positives? Ich war neugierig und auch etwas nervös. Ich bemühte mich, offen in das Gespräch zu gehen.
Raus kam ich aber anders: Klein und geknickt.
Was ich bekommen habe, war kein Feedback. Es war eine Liste meiner Fehler.
Feed-back. Der Begriff kommt ursprünglich aus der Kybernetik, eine Information, die zurück ins System fließt, damit es sich selbst steuern kann. Also eine Rückkopplungsschleife, wie bei einem Heizungsthermostat. Er bekommt eine Information, vergleicht sie mit dem Zielwert und beginnt entsprechend nachzujustieren.
„We all need people who will give us feedback. That’s how we improve.“ Bill Gates
Bekommt er nur die Information, tut er nichts.
Feedback ist also eine Rückmeldung, die immer zum Ziel hat, auf etwas aufmerksam zu machen, damit eine Veränderung möglich wird.
Nur dieses Ziel, der Kern des Feedbacks, wird leider oft übersehen. So wie bei meinem Gespräch. Und damit bleibt Feedback Kritik.
Kritik ist vergangenheitsorientiert und bewertet.
Veränderung ist damit nur selten möglich.
1. Ein Thema, ein Ziel.
Bevor du ins Gespräch gehst, überleg dir gut: Worum geht es wirklich? Wenn du selbst nicht in einem Satz sagen kannst, was du willst, wird dein Gegenüber es erst recht nicht verstehen. Bei meinem Gespräch hätte das so klingen können: „Mir geht es heute um die Besprechung von letzter Woche. Ich möchte, dass wir in Zukunft solche Themen anders besprechen.“
2. Geh mit der richtigen Haltung rein.
Glaubst du daran, dass sich die Person verändern kann? Dann geh auch so rein. Die Führungsforscherin Marie Dasborough hat in einer Studie festgestellt, dass Menschen, die kritisches, aber freundliches Feedback bekamen, sich danach besser fühlten als jene, die positive Rückmeldungen bekamen, aber mit stirnrunzelnder Mimik. Es ist also nicht nur entscheidend, was du sagst, sondern welche körpersprachlichen Signale du gleichzeitig mitsendest.
3. Timing und Einstieg.
Gib Feedback immer zeitnah und wähle dafür auch bewusst einen Zeitpunkt aus. Zwischen Tür und Angel oder kurz vor einem anderen Termin funktioniert Feedback nicht. Sag früh, worum es geht. Mit Herumreden und Hinauszögern machst du die Situation unangenehmer, für dich und für die andere Person.
4. Frag nach. Hör zu. Vereinbare.
Und das Allerwichtigste: Ein Feedbackgespräch ist kein Monolog, sondern ein Dialog. In meinem Gespräch bin ich nicht viel zu Wort gekommen.
„Wie siehst du das?“ ist der wertvollste Satz in deinem Feedbackgespräch. Halte die Stille danach aus und höre zu, um zu verstehen. Und am Ende kommt die Vereinbarung: konkret, mit klarer Zeitspanne. Z.B. „Was nimmst du dir vor bis nächste Woche?“
Nur mit Feedback werden wir besser. Übrigens auch im Feedback geben. Frag doch selbst gerne mal nach dem Gespräch nach, wie du dich als Feedbackgeber gemacht hast.
JD_Jetzt Du:
Bevor du das nächste Mal Feedback gibst: Nimm dir Zeit, das Gespräch vorzubereiten. Schreib dir einen Satz auf. Worum geht es wirklich?
Lass mich wissen, wie es dir damit geht.
Ich bin neugierig.
Bis bald, Johanna ✨



